Geldtransitkonto in DATEV: So buchen Multichannel-Händler korrekt

Valentin Gavilan
Valentin Gavilan am 21. Januar 2026

Im klassischen Handel ist der Zahlungsfluss überschaubar: Rechnung, Zahlung, Bankkonto, fertig. Im Multichannel-E-Commerce funktioniert dieses Prinzip nicht mehr. Das Geldtransitkonto schließt die Lücke zwischen Umsatzentstehung und Geldeingang und sorgt für eine prüfungssichere Buchhaltung.

Multichannel E-Commerce Buchhaltung mit verschiedenen Zahlungsarten und Plattformen

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Geldtransitkonto ist ein technisches Zwischenkonto für die zeitliche und inhaltliche Trennung von Umsatzentstehung und Geldeingang
  • DATEV-Kontonummern: SKR03: Konto 1360 / SKR04: Konto 1460
  • Jeder Marktplatz und Zahlungsdienstleister sollte idealerweise ein eigenes Geldtransitkonto erhalten
  • Saldo ungleich Null zeigt fast immer, dass Buchungen fehlen oder eine Schnittstelle nicht korrekt eingerichtet ist
  • Automatisierung spart bis zu 90 % der manuellen Buchungsarbeit und minimiert Fehlerquellen
  • GoBD-Konformität wird durch saubere Geldtransitlogik sichergestellt

Was ist ein Geldtransitkonto und wann wird es benötigt?

Ein Geldtransitkonto ist ein technisches Zwischenkonto in der Buchhaltung. Es dient dazu, Zahlungsbewegungen sauber abzubilden, wenn zwischen dem Entstehen einer Forderung und dem tatsächlichen Geldeingang auf dem Bankkonto eine zeitliche oder inhaltliche Lücke besteht.

Die klassische Verwendung

Traditionell wird das Geldtransitkonto bei Bargeldtransfers zwischen Kasse und Bank verwendet. Wenn Sie beispielsweise am Montagabend die Tageseinnahmen in den Tresor legen und erst am Dienstag zur Bank bringen, buchen Sie über das Geldtransitkonto:

BuchungsschrittKontoSollHaben
Montag: KassenentnahmeGeldtransit (1360/1460)500,00 €
Kasse (1000/1600)500,00 €
Dienstag: BankeinzahlungBank (1200/1800)500,00 €
Geldtransit (1360/1460)500,00 €

Das Geldtransitkonto gleicht sich nach korrekter Verbuchung beider Vorgänge auf Null aus.

Die erweiterte Bedeutung im E-Commerce

Im E-Commerce gewinnt das Geldtransitkonto eine deutlich wichtigere Rolle. Hier geht es nicht nur um physische Bargeldtransfers, sondern um die systematische Erfassung komplexer Zahlungsströme:

  • Marktplätze wie Amazon, eBay, Otto oder TikTok Shop halten Zahlungen ein und zahlen gebündelt aus
  • Zahlungsdienstleister wie PayPal, Stripe, Klarna oder Mollie sammeln Zahlungen und überweisen zeitverzögert
  • Gebühren, Provisionen und Einbehalte werden vor der Auszahlung abgezogen
  • Auszahlungsbeträge entsprechen nicht den Bruttoumsätzen

Ohne ein korrekt geführtes Geldtransitkonto ist eine saubere Abstimmung zwischen Umsätzen, Zahlungen und Bankeingängen praktisch unmöglich.

Praxisbeispiel: TikTok Shop und die Auswirkungen auf die Buchhaltung

Ein Händler verkauft erfolgreich über Shopify und erweitert sein Geschäftsmodell um TikTok Shop. Der neue Social-Commerce-Kanal entwickelt sich positiv, die Bestellungen steigen. Operativ funktioniert alles reibungslos.

Das Problem in der Buchhaltung

Buchhalterisch zeigt sich jedoch ein anderes Bild:

  • Verkäufe entstehen im TikTok Shop – Kunden bestellen und bezahlen über die Plattform
  • TikTok behält Provisionen und Gebühren ein – Diese werden vor der Auszahlung abgezogen
  • Die Auszahlung erfolgt gebündelt – Mehrere Tage oder Wochen nach den Verkäufen
  • Der Auszahlungsbetrag entspricht nicht den Bruttoumsätzen – Die Differenz sind die einbehaltenen Gebühren

In DATEV erscheint ein Zahlungseingang, der keiner konkreten Rechnung direkt zugeordnet werden kann. Häufig wird dieser Betrag unter Zeitdruck manuell als Erlös verbucht – mit gravierenden Folgen.

Die Konsequenzen falscher Verbuchung

ProblemAuswirkung
Umsätze fehlen oder sind zu niedrigUSt-Voranmeldung ist falsch, Nachzahlungen drohen
Gebühren nicht als Aufwand erfasstGewinn ist zu hoch ausgewiesen
Forderungen nicht abstimmbarOP-Listen sind nicht aussagekräftig
Kanal steuerlich nicht sauber abgebildetBetriebsprüfung kann problematisch werden

Die Lösung: Eigenes Geldtransitkonto für TikTok Shop

Die saubere Lösung besteht in der Einrichtung eines eigenen Geldtransitkontos für TikTok Shop. Der Buchungsablauf sieht dann wie folgt aus:

Schritt 1: Verkauf im TikTok Shop (Umsatzentstehung)

KontoSollHabenBeschreibung
Geldtransit TikTok (1361)119,00 €Forderung gegen TikTok
Erlöse 19% (8400)100,00 €Netto-Erlös
USt 19% (1776)19,00 €Umsatzsteuer

Schritt 2: TikTok behält Gebühren ein

KontoSollHabenBeschreibung
Verkaufsprovisionen (4760)11,90 €Gebühr (10% vom Brutto)
Geldtransit TikTok (1361)11,90 €Minderung der Forderung

Schritt 3: Auszahlung auf das Bankkonto

KontoSollHabenBeschreibung
Bank (1200)107,10 €Geldeingang
Geldtransit TikTok (1361)107,10 €Ausgleich der Forderung

Nach korrekter Verbuchung aller drei Schritte ist das Geldtransitkonto für TikTok wieder ausgeglichen. Der Umsatz ist korrekt erfasst, die Gebühren sind als Aufwand gebucht, und der Bankeingang stimmt mit der Auszahlung überein.

Unklarer Geldeingang als strukturelles Warnsignal

Taucht auf dem Geschäftskonto ein Zahlungseingang auf, der nicht eindeutig erklärbar ist, handelt es sich in der Praxis selten um einen Einzelfall. Vielmehr ist dies ein Hinweis auf strukturelle Veränderungen im Geschäftsbetrieb.

Typische Ursachen für unerklärliche Geldeingänge

  • Neuer Marktplatz wurde angebunden (z. B. TikTok Shop, Kaufland, OTTO)
  • Neuer Zahlungsdienstleister wurde aktiviert (z. B. Klarna, Apple Pay)
  • Geänderte Auszahlungslogik eines bestehenden Kanals
  • Fehlende oder fehlerhafte Schnittstelle zu einem Kanal
  • Währungskonvertierung bei internationalen Verkäufen

Die Buchhaltung ist häufig der erste Bereich, der diese Veränderungen bemerkt. Während das operative Geschäft weiterläuft, zeigen sich die Auswirkungen auf Kontoebene erst mit Verzögerung. Genau hier ist schnelles und strukturiertes Handeln erforderlich.

Wichtig: Ein unklarer Geldeingang ist kein Buchungsproblem, sondern ein strukturelles Signal, dass die Buchhaltung dem operativen Geschäft hinterherläuft.

Typische Fehler bei fehlendem oder falsch geführtem Geldtransitkonto

Wird kein Geldtransitkonto verwendet oder ist es fehlerhaft eingerichtet, entstehen schnell systemische Fehler in der Buchhaltung.

Die häufigsten Fehler im Überblick

FehlerBeschreibungKonsequenz
Direktbuchung auf ErlöskontoAuszahlung wird als Umsatz gebuchtUmsatz ist zu niedrig, Gebühren fehlen
Keine Trennung nach KanalAlle Zahlungsströme auf einem KontoAbstimmung unmöglich
Gebühren vergessenProvisionen nicht als Aufwand gebuchtGewinn zu hoch, Steuerlast steigt
Zeitliche Zuordnung falschUmsatz erst bei Auszahlung gebuchtUSt-Voranmeldung in falschem Monat
Saldo nicht überwachtGeldtransitkonto nie abgestimmtFehler bleiben unentdeckt

Auswirkungen auf die USt-Voranmeldung

Besonders kritisch sind die Auswirkungen auf die Umsatzsteuer-Voranmeldung:

  • Umsätze werden zu spät erfasst: Steuerlich relevante Umsätze müssen bei Entstehung erfasst werden, nicht erst bei Auszahlung
  • USt wird zu niedrig gemeldet: Wenn Bruttoumsätze durch Auszahlungsbeträge ersetzt werden
  • OSS-relevante Umsätze fehlen: Bei internationalen Verkäufen können EU-Umsätze nicht zugeordnet werden

Bei OSS-relevanten oder internationalen Umsätzen können aus diesen Fehlern erhebliche steuerliche Risiken entstehen.

Schritt-für-Schritt: Geldtransitkonto in DATEV einrichten

Die Einrichtung eines Geldtransitkontos in DATEV ist technisch unkompliziert. Wichtig ist die konsequente Anwendung und Überwachung.

Die DATEV-Kontonummern

In den Standard-Kontenrahmen von DATEV sind folgende Konten für Geldtransit vorgesehen:

KontenrahmenKontonummerBezeichnung
SKR031360Geldtransit
SKR041460Geldtransit

Für jeden Marktplatz und Zahlungsdienstleister empfiehlt es sich, ein separates Unterkonto anzulegen. So können Sie beispielsweise im SKR03 folgende Struktur verwenden:

  • 1361 – Geldtransit PayPal
  • 1362 – Geldtransit Stripe
  • 1363 – Geldtransit Klarna
  • 1364 – Geldtransit Amazon
  • 1365 – Geldtransit TikTok Shop

Einrichtung in DATEV Kanzlei-Rechnungswesen

Schritt 1: Öffnen Sie den Kontenplan in DATEV Kanzlei-Rechnungswesen

Schritt 2: Navigieren Sie zu den Sachkonten im Bereich 1360-1369 (SKR03) bzw. 1460-1469 (SKR04)

Schritt 3: Legen Sie für jeden Marktplatz/Zahlungsdienstleister ein Unterkonto an:

  • Kontonummer vergeben (z. B. 1361)
  • Bezeichnung eintragen (z. B. „Geldtransit PayPal")
  • Kontotyp: Aktivkonto

Schritt 4: Speichern Sie die Änderungen

Schritt 5: Dokumentieren Sie die Kontenstruktur für alle Beteiligten

Best Practices für die Kontenstruktur

  • Eindeutige Benennung: Jedes Konto sollte klar erkennen lassen, welchen Kanal es abbildet
  • Konsistente Nummerierung: Verwenden Sie eine logische Reihenfolge
  • Dokumentation: Halten Sie die Zuordnung schriftlich fest
  • Regelmäßige Abstimmung: Prüfen Sie die Salden mindestens monatlich

Das Geldtransitkonto als Kontroll- und Frühwarnsystem

Ein korrekt geführtes Geldtransitkonto ist nicht nur ein technisches Buchhaltungskonto. Es ist ein zentrales Kontrollinstrument für den gesamten E-Commerce-Betrieb.

Was ein ausgeglichenes Geldtransitkonto zeigt

Wenn das Geldtransitkonto am Ende des Abrechnungszeitraums den Saldo Null aufweist, bedeutet das:

  • Alle Umsätze sind vollständig erfasst
  • Alle Gebühren sind korrekt verbucht
  • Alle Auszahlungen sind zugeordnet
  • Die Abstimmung zwischen Umsatz und Bank ist gelungen

Was ein Saldo auf dem Geldtransitkonto bedeutet

Ein Saldo ungleich Null weist fast immer auf Handlungsbedarf hin:

Saldo-ArtMögliche UrsacheHandlung
Soll-Saldo (Forderung)Auszahlung fehlt nochPrüfen, ob Auszahlung aussteht
Gebühren nicht gebuchtGebührenabrechnung prüfen
Umsatz doppelt erfasstBuchungen kontrollieren
Haben-Saldo (Verbindlichkeit)Umsatz fehltVerkaufsdaten prüfen
Auszahlung doppelt gebuchtBankbuchungen prüfen
Schnittstelle fehlerhaftDatenimport kontrollieren

Das Geldtransitkonto in der Jahresabschlussprüfung

Bei der Jahresabschlusserstellung gehört die Abstimmung des Geldtransitkontos zu den Standardprüfungen. Ein nicht ausgeglichenes Konto am Jahresende muss erläutert werden:

  • Welche Auszahlungen stehen noch aus?
  • Sind alle Gebühren des Jahres erfasst?
  • Gibt es offene Posten aus dem Vorjahr?

Eine saubere Dokumentation während des Jahres erleichtert diese Prüfung erheblich.

Automatisierung mit EasyPliant

Die manuelle Führung von Geldtransitkonten für mehrere Marktplätze und Zahlungsdienstleister ist zeitaufwändig und fehleranfällig. Schon bei zwei bis drei Vertriebskanälen steigt der Aufwand erheblich. Bei komplexen Multichannel-Setups mit fünf oder mehr Kanälen wird die manuelle Verbuchung praktisch unbeherrschbar.

Die Herausforderungen der manuellen Verbuchung

  • Zeitaufwand: Jede Transaktion muss einzeln zugeordnet und gebucht werden
  • Fehleranfälligkeit: Manuelle Eingaben führen zu Tippfehlern und Zuordnungsfehlern
  • Komplexität: Verschiedene Kanäle haben unterschiedliche Auszahlungslogiken
  • Gebührenvielfalt: Provisionen, Werbekostenerstattungen, Chargebacks müssen differenziert werden
  • Zeitverzug: Die Buchhaltung hinkt dem operativen Geschäft hinterher

Wie EasyPliant die Geldtransitlogik automatisiert

EasyPliant übernimmt die vollständige Automatisierung der Geldtransitlogik:

Automatischer Datenimport:
Transaktionsdaten werden per API aus allen Kanälen abgerufen.
Intelligentes Matching:
Zahlungen werden automatisch den korrekten Umsätzen zugeordnet – mit über 95 % Trefferquote.
Korrekte Kontierung:
Erlöse, Gebühren und Auszahlungen werden auf die richtigen Konten gebucht.
DATEV-Export:
Buchungsdaten werden im DATEV-EXTF-Format exportiert.
Automatische Abstimmung:
Geldtransitkonten werden systemseitig überwacht.
GoBD-konforme Dokumentation:
Alle Buchungsvorgänge werden revisionssicher gespeichert.

Mit unserer Lösung für die E-Commerce-Buchhaltung sparen Kanzleien und Händler bis zu 90 % der manuellen Buchungsarbeit – bei gleichzeitig höherer Prüfungssicherheit.

Fazit und Handlungsempfehlung

Je mehr Verkaufskanäle ein E-Commerce-Händler nutzt, desto wichtiger wird eine saubere Geldtransitlogik. Das Geldtransitkonto ist dabei weit mehr als ein technisches Hilfskonto – es ist das zentrale Bindeglied zwischen Umsatzentstehung und Geldeingang.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Jeder Marktplatz und Zahlungsdienstleister sollte ein eigenes Geldtransitkonto erhalten
  • Umsätze müssen bei Entstehung erfasst werden, nicht erst bei Auszahlung
  • Ein Saldo auf dem Geldtransitkonto ist immer ein Signal für Handlungsbedarf
  • Die manuelle Führung ist bei mehreren Kanälen kaum noch praktikabel
  • Automatisierung ist der Schlüssel zu einer skalierbaren Buchhaltung

Unsere Empfehlung

Prüfen Sie Ihre aktuelle Kontenstruktur: Haben Sie für jeden Vertriebskanal und Zahlungsdienstleister ein separates Geldtransitkonto? Werden die Salden regelmäßig abgestimmt? Wenn nicht, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die Struktur anzupassen.

Multichannel ist nur dann skalierbar, wenn auch die Buchhaltung skaliert. Das Geldtransitkonto ist dafür eine zwingende Voraussetzung.

Weiterführende Ressourcen

Dieser Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 21. Januar 2026. Alle Angaben zu gesetzlichen Regelungen entsprechen dem Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und stellen keine steuerliche Beratung dar. Für verbindliche Auskünfte konsultieren Sie bitte Ihren Steuerberater.

Valentin Gavilan

Valentin Gavilan

Tax Specialist E-Commerce / Online-Händler

Steuerfachangestellter, Fachassistent für Digitalisierung und zertifizierter „Tax Specialist E-Commerce“. Beschäftigte sich schon in seiner Ausbildung primär mit dem Thema Onlinehandel, als das noch Stirnrunzeln auslöste.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Die wichtigsten Antworten zum Geldtransitkonto in DATEV und der Multichannel-Buchhaltung.